Schleifer des Jahres 2010 im Interview
15 11 2011
Andreas Grabmeier an der Maschine. Foto: Grabmeier.
Als Einstimmung für alle, die am Wettbewerb Werkzeugschleifer des Jahres 2012 teilnehmen wollen, haben wir ein Interview mit Andreas Grabmeier geführt. Der Geschäftsführer der Grabmeier GmbH in Augsburg hat den Wettbewerb im Jahr 2010 gewonnen, nachdem er 2006 und 2008 jeweils den zweiten Platz belegt hat.
Haas: Herr Grabmeier, was hat Sie dazu bewogen, einen Beruf im Bereich der Metallbearbeitung zu erlernen, und waren Sie von Anfang an aufs Schleifen spezialisiert
Andreas Grabmeier: Nein, auf das Schleifen war ich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn noch gar nicht spezialisiert. Ich habe meine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker im Bereich CNC-Fräser absolviert. Auf diesen Beruf kam ich wegen meines damaligen Hobbys. Ich baute RC-Modellautos und benötigte dazu Dreh- und Frästeile, die ich auch selbst herstellte.
Haas: Was hat Sie am Wettbewerb Werkzeugschleifer des Jahres besonders gereizt?
Andreas Grabmeier: Für mich persönlich waren es nicht die Preise. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und interessiere mich immer für alles Neue, und genau dies ist mein Anreiz dafür gewesen.
Haas: Verglichen mit den Aufgaben in Ihrer täglichen Arbeit: wie würden Sie das theoretische und praktische Schwierigkeitsniveau der Aufgaben beim Werkzeugschleifer des Jahres einstufen?
Andreas Grabmeier: Schwer zu sagen, da ich in meiner Firma mit sehr vielen Dingen zu tun habe, die mit den Aufgaben des Wettbewerbs Ähnlichkeit hatten. Damit sind einige Fragen einfach auch schon zur Routine geworden. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass einige Bewerber damit mehr Probleme hatten. Gerade die Kalkulation zu erstellen, ist nicht jedem so geläufig und so ein Knackpunkt. Bei allen drei Wettbewerben waren jedoch immer noch Schwierigkeiten eingebaut, die auch mich zum Grübeln brachten.
Haas: Wie empfanden Sie die Unterstützung durch die Veranstalter und das Verhältnis zu Ihren Wettbewerbern?
Andreas Grabmeier: Die Unterstützung war einfach nur Spitzenklasse, egal welche Firma der Ausrichter war. Unter den Wettbewerbern ist es mir so vorgekommen, als würde man sich schon lange kennen. Dementsprechend war auch die Stimmung untereinander sehr freundschaftlich. Wir alle haben uns während der Vorbereitung gegenseitig geholfen.
Haas: Was war, alles in allem, das Anstrengendste am Wettbewerb? Die Aufgabe? Der Zeitstress? Der Wettbewerbsdruck?
Andreas Grabmeier: Mit Zeitdruck kann ich umgehen, der ist Alltag. Die Schleifaufgabe war immer auch lösbar. Was mir wirklich zu schaffen machte, war das Warten, bis ich endlich an der Reihe war, weil ich immer der letzte Teilnehmer war. Schwierig war auch das Arbeiten an der Maschine, da viele Besucher einem über den Rücken schauen, das hat zumindest mich abgelenkt.
Haas: Warum sollten junge Menschen den Beruf des Werkzeugschneidmechanikers ergreifen, und welche persönlichen Eigenschaften sollten sie mitbringen? Was macht Ihrer Meinung nach den besonderen Reiz dieses Berufs aus?
Andreas Grabmeier: Junge Menschen sind nicht alle gleich. Bei diesem Beruf ist es sehr wichtig vielseitig zu sein, schon allein deshalb, weil uns Schneidwerkzeuge überall auch im Alltag begegnen. Damit man sie herstellen oder nachschleifen kann muss man den Einsatzzweck kennen. Bei der Holz-, Kunststoff-, Metall- und Papierbearbeitung sowie bei Stein und Stoff, als auch im Haushalt findet man die unterschiedlichsten Anwendungsfälle, von denen der Schneidwerkzeugmechaniker Kenntnisse haben muss. Es gibt in diesem Beruf deshalb viel Abwechslung, da fast täglich neue Aufgaben und Geometrien zu bewältigen und auf CNC-Maschinen zu programmieren sind. Das Lösen dieser Aufgaben gehört zu meiner Lieblingsbeschäftigung.
Haas: Welches war die schwierigste Schleifaufgabe im Alltag, an die Sie sich erinnern können?
Andreas Grabmeier: Ich erinnere mich noch wie heute daran. Es musste ein Kombinationsfräswerkzeug mit einem sehr großen Durchmesserunterschied und einer komplexen Form mit sehr engen Toleranzen hergestellt werden. Damals, als ich dieses Werkzeug gefertigt habe, hatte unsere Maschinen noch keine Simulation. Die Folge waren mehrere Ausschussteile. Bei dem Gedanken läuft es mir heute noch eiskalt den Rücken runter.
Haas: Was erwarten Sie heute von einer modernen Schleifmaschine? Worauf kommt es Ihrer Meinung nach besonders an?
Andreas Grabmeier: Meiner Meinung sind wir in einer sehr interessanten Zeit. Wenn ich an meine Ausbildung zum Fräser denke, gab es damals schon eine Simulation. Bei den Schleifmaschinen ist bei der Simulation heute noch einiges zu tun. Ferner fehlt eine einheitliche Schnittstelle. Erste Schritte sind ansatzweise zu erkennen. Ich denke, es muss eine Durchgängigkeit von der Konstruktion über die Schleifmaschine zur Messmaschine möglich werden. Da muss sich etwas tun, und diese Schnittstellen erwarte ich heute schon von einer modernen CNC-Schleifmaschine. Ansonsten könnte ich jetzt eine lange Wunschliste erstellen. Das wichtigste in meinen Augen ist eine detaillierte 3D-Simulation sowie die oben beschriebene Schnittstelle.
Haas: Auf einer Skala von 1 bis 10: wie schätzen Sie die Bedeutung der Schleif- und Simulationssoftware heute und in 5 Jahren ein?
Andreas Grabmeier: Sehr schwierige Frage: es gibt vereinzelt heute schon brauchbare Simulationen. Bei Formwerkzeugen und komplexen Geometrien zeigen sich bei manchen Herstellern Schwächen. Da heute noch viele ältere Maschinen im Einsatz sind, würde ich sagen: etwa bei 5. Die Simulationssoftware wird immer wichtiger werden. Je besser die Simulation ist, umso weniger Ausschussteile wird es geben. Deswegen würde ich sagen in 5 Jahren: so bei 7-8.
Haas: Wo liegen die Schwerpunkte von Grabmeier (welche Art von Werkzeugen schleifen Sie hauptsächlich) und wie viele Werkstücke gehen pro Jahr durch Ihre Fertigung?
Andreas Grabmeier: Die Firma Grabmeier steht auf mehreren Beinen: Wir bieten unseren Kunden den Verkauf, Produktion und den Nachschliff von sämtlichen Schneidwerkzeugen. Den größten Anteil an Werkzeugen haben Bohrer und Fräser für die Metallbearbeitung. Zum Umfang gehören auch Messer, Gartengeräte, aber auch Granulatorenmesser. Zurzeit durchlaufen ca. 192.000 Werkzeuge im Jahr unsere Fertigung, dazu kommen dann noch speziell produzierte Sonderwerkzeuge und Kleinserien von Lohnarbeiten (wie z.B. Flach- und Rundschleifarbeiten).
Haas: Wie informieren Sie sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Zerspanung und Schleiftechnologie?
Andreas Grabmeier: In der Zerspanung bin ich groß geworden, und über das Thema Zerspanung schule ich mich bei jeder Möglichkeit weiter. Ich lasse keine Gelegenheit aus, um mich durch Schulungen weiterzubilden. Informationen über Schleiftechnologie und Neuigkeiten erhalte ich vor allem aus Fachbeiträgen in Zeitschriften wie FDPW-Forum, fertigung und Werkzeugtechnik. Ein Höhepunkt sind die Messen, vor allem die GrindTec in Augsburg.
Haas: Wenn Sie nicht gerade komplexe Schleifaufgaben lösen, womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Andreas Grabmeier: Also viel Freizeit bleibt mir nicht mehr. Trotzdem versuche ich meinen vielen Hobbys gerecht zu werden. Dazu gehörten: Hardware konfigurieren, Skifahren, Spazierengehen und im Sommer Wassersport am Bodensee.
Haas: Ihr Motto bei der Arbeit?
Andreas Grabmeier: Es gibt nichts, was nicht geht!
Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch!


[...] Heute sechs Fragen an Denis Gadanecz. Er schleift bei der Grabmeier GmbH in Augsburg. Damit ist der Werkeugschleifer des Jahres 2010 sein [...]
[...] Barwik arbeitet bei der Grabmeier GmbH in Augsburg und kommt aus dem Unternehmen, das den Sieger 2010 gestellt hat: Andreas [...]