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Von Prüfungen und Prüflingen

13 01 2012

Nachdem die Bewerbungsfrist für den Werkzeugschleifer des Jahres am 31.12.2011 abgelaufen ist, geht der Wettbewerb jetzt in die nächste Phase. Unter allen Teilnehmern, die ihre Unterlagen fristgerecht eingereicht haben, werden Ende Januar die fünf Finalisten ermittelt. Die Jury wird dazu die eingereichten Lösungen genau unter die Lupe nehmen und bewerten. Am Mittwoch, den 15. März ist es dann soweit. Auf der GrindTec in Augsburg müssen sich die Finalisten der praktischen Prüfung im Werkzeugschleifen stellen. Die Schleifaufgabe, die wir uns ausgedacht haben, wird, so viel darf ich verraten, nicht ganz einfach, aber machbar. Wir setzen da auf das Wissen und Kreativität der Finalisten, die auf unserer Multigrind® CA gegeneinander antreten.

Apropos Prüfungssituation: Vor ein paar Tagen bin bei den Informatikern der Uni Osnabrück auf eine nette Geschichte gestoßen, in der eine Physkikprüfung an der Universität Kopenhagen geschildert wird. Lesen Sie mal, welchen Spaß sich der Student dort mit seinen Prüfern erlaubt hat:

Physikprüfung an der Universität Kopenhagen

Die folgende Frage wurde in einer Physikprüfung, an der Universität von Kopenhagen gestellt:

„Beschreiben Sie, wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mit einem Barometer feststellt.“

Der Prüfling antwortete: „Sie binden ein langes Stück Schnur an den Ansatz des Barometers, senken dann das Barometer vom Dach des Wolkenkratzers zum Boden. Die Länge der Schnur plus die Länge des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes.“

Diese in hohem Grade originelle Antwort entrüstete den Prüfer dermaßen, dass der Prüfling sofort entlassen wurde. Er appellierte an seine Grundrechte, mit der Begründung, dass seine Antwort unbestreitbar korrekt war, und die Universität ernannte einen unabhängigen Schiedsrichter, um den Fall zu entscheiden. Der Schiedsrichter urteilte, dass die Antwort in der Tat korrekt war, aber kein wahrnehmbares Wissen von Physik zeige. Um das Problem zu lösen, wurde entschieden, den Prüfling nochmals herein zu bitten und ihm sechs Minuten zuzugestehen, in denen er eine mündliche Antwort geben konnte, die mindestens eine minimale Vertrautheit mit den Grundprinzipien von Physik zeigte.

Für fünf Minuten saß der Prüfling still, den Kopf nach vorne, in Gedanken versunken. Der Schiedsrichter erinnerte ihn, dass die Zeit lief, worauf der Kursteilnehmer antwortete, dass er einige extrem relevante Antworten hätte, aber sich nicht entscheiden konnte, welche er verwenden sollte. Als ihm geraten wurde, sich zu beeilen, antwortete er wie folgt:

„Erstens könnten Sie das Barometer bis zum Dach des Wolkenkratzers nehmen, es über den Rand fallen lassen und die Zeit messen, die es braucht, um den Boden zu erreichen. Die Höhe des Gebäudes kann mit der Formel H=0.5g x t im Quadrat berechnet werden. Das Barometer wäre allerdings dahin!

Oder, falls die Sonne scheint, könnten Sie die Höhe des Barometers messen, es hoch stellen und die Länge seines Schattens messen. Dann messen Sie die Länge des Schattens des Wolkenkratzers, anschließend ist es eine einfache Sache, anhand der proportionalen Arithmetik die Höhe des Wolkenkratzers zu berechnen.

Wenn Sie aber in einem hohem Grade wissenschaftlich sein wollten, könnten Sie ein kurzes Stück Schnur an das Barometer binden und es schwingen lassen wie ein Pendel, zuerst auf dem Boden und dann auf dem Dach des Wolkenkratzers. Die Höhe entspricht der Abweichung der gravitationalen Wiederherstellungskraft T=2 Pi im Quadrat (l/g).

Oder, wenn der Wolkenkratzer eine äußere Nottreppe besitzt, würde es am einfachsten gehen, da hinauf zu steigen, die Höhe des Wolkenkratzers in Barometerlängen abzumessen und oben zusammenzählen.

Wenn Sie aber bloß eine langweilige und orthodoxe Losung wünschen, dann können Sie selbstverständlich das Barometer benutzen, um den Luftdruck auf dem Dach des Wolkenkratzers und auf dem Grund zu messen und der Unterschied bezüglich der Millibare umzuwandeln, um die Höhe des Gebäudes zu berechnen.

Niels Bohr. Dänischer Nobelpreisträger für Physik.

Niels Bohr (1885 bis 1962) Foto: http://commons.wikimedia.org/

Aber, da wir ständig aufgefordert werden die Unabhängigkeit des Verstandes zu üben und wissenschaftliche Methoden anzuwenden, würde es ohne Zweifel viel einfacher sein, an der Tür des Hausmeisters zu klopfen und ihm zu sagen:

Wenn Sie ein nettes neues Barometer möchten, gebe ich Ihnen dieses hier, vorausgesetzt Sie sagen mir die Höhe dieses Wolkenkratzers.“

Der Kursteilnehmer war Niels Bohr, der erste Däne, der überhaupt den Nobelpreis für Physik gewann.

Allen Einsendern zum Wettbewerb Werkzeugschleifer des Jahres sage ich jetzt schon mal Danke für Ihren Einsatz. Den fünf Finalisten, die am 15. März in Augsburg antreten, wünsche ich ebenso gute Nerven, wie Niels Bohr sie in seiner Physikprüfung hatte!

Ihr Dirk Wember

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